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Brunnen
Ein Brunnen ist ein Bauwerk zur Wassergewinnung aus einem Grundwasserleiter (Aquifer). Zur Förderung kommen verschiedene Pumpenarten zum Einsatz z. B. elektrische Tauchpumpen, elektrische Saugpumpen oder Handpumpen. Ebenso sind andere mechanische Einrichtungen, wie Brunneneimer oder Wasserkünste, zur Wasserförderung verbreitet. Eine besondere Form sind artesische Brunnen, bei denen der Brunnen in einen gespannten Aquifer abgeteuft ist, sodass keine Einrichtungen zur Wasserförderung benötigt werden.
Geschichte
Trinkwasser ist die Voraussetzung für das menschliche Überleben. Durch die gesamte Menschheitsgeschichte wurden temporäre Lager oder Siedlungen in der Nähe von Wasserstellen wie Quellen, Flüssen und Süßwasserseen errichtet.
Aus der mesolithischen Siedlung Friesack in Brandenburg sind drei Gruben bekannt, die von Jägern und Sammlern zur Gewinnung von Trinkwasser angelegt wurden (Wasserlöcher). Auf diese Funktion deuten Schöpfgefäße aus einem Schildkrötenpanzer bzw. aus Birkenrinde, die auf den Grubensohlen entdeckt worden sind.Gramsch 1997 Die ältesten bisher bekannten Brunnen stammen aus der frühen Jungsteinzeit und wurden in Mylouthkia auf Zypern in festem Kalkstein abgeteuft (10. und 9. Jahrtausend v. Chr.). Der heute unter dem Meeresspiegel gelegene Brunnen von Atlit Yam (Israel) stammt aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. (spätes PPN B).Galili/Sharvit 1997 Die ersten Brunnen in Mitteleuropa stammen aus der Bandkeramik, ca. 5550–4950 v. Chr., etwa der 1990 gefundene Brunnen in Kückhoven. Einen über 7000 Jahre alten Brunnen haben Archäologen bei Niederröblingen in Sachsen-Anhalt entdeckt. Die Brunnen besaßen regelhaft eine stützende Auskleidung (sog. Brunnenkasten) aus Eichenholz. Aus der Schnurkeramik sind Brunnen mit einer Auskleidung aus Flechtwerk bekannt. dazu generell als bestes Überblickswerk der Band "Brunnen der Jungsteinzeit"
Brunnen zur Wassergewinnung und als Nutzbrunnen
Es wird zwischen Lauf- und Ziehbrunnen unterschieden. Der einfachste Brunnen ist ein Auffangbecken aus Holz oder Naturstein, mit dem das aus einer Quelle austretende Wasser direkt aufgefangen wird, bevor es zu einem Bach weitergeleitet wird.
Laufbrunnen
Durch natürlichen Druck werden einfache Laufbrunnen möglich. Dabei wird das Wasser in größerer Höhe gefasst und fließt durch eine Leitung entlang des natürlichen Geländegefälles bis zum Brunnen. Der Wasserstrom ist beim Laufbrunnen stetig, eine mechanische Förderung unnötig. In vielen Fällen sind Laufbrunnen mit zusätzlichen Becken oder Trögen versehen, die als Viehtränken oder zum Wäschewaschen dienen.
Ziehbrunnen
Unter einem Tiefbrunnen (oder Ziehbrunnen) versteht man eine vom Menschen geschaffene Öffnung im Erdreich oder im Gestein, die meist senkrecht hinunter geht. Die Öffnung kann klein und dann entweder verrohrt sein oder aber groß und durch die natürliche Festigkeit des Umgebungsmaterials erhalten bleiben (begehbare Brunnen). Im Norddeutschen nannte man gegrabene Brunnen früher auch Sodbrunnen oder lediglich Sod.Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie, 1773 bis 1858 Aus modernen engen Bohrungen wird das Wasser durch technische Hilfsmittel (Winde oder Pumpe) nach oben gefördert.
Ziehbrunnen sind seit dem frühen Neolithikum nachgewiesene (Zypern) urtümliche Schächte, die im Erdreich durch Holzkonstruktionen (Holzkastenbrunnen) stabilisiert wurden. Solche Schöpfeinrichtungen dienen zur Erleichterung der Wasserbeschaffung, insbesondere beim Tränken von Viehherden. Bekanntes Beispiel sind die Brunnen der Puszta, die es so im gesamten Steppengürtel Eurasiens und anderswo gibt. Neben dem Einsatz der Hebelwirkung über den Schwingbaum, an dem Gegengewichte die Arbeit erleichtern, sind Räder, Seile und Zugtiere (Büffel, Esel, Kamele) im Einsatz. Die in Mitteleuropa gebräuchliche Ziehvorrichtung, bei der ein Seil auf einem verhältnismäßig kleinen Rundholz aufgewickelt wird, sind dagegen technisch gesehen keine besonders effektiven Lösungen.
Brunnenbau
: Hauptartikel: Brunnenbau und Horizontalbrunnenbau
Zur Messung des Grundwasserspiegels kann man das Tiefenlot, die Brunnenpfeife, das Kabellichtlot, Widerstandsketten oder ein Echolot verwenden.
Der artesische Brunnen ist ein natürlicher Brunnen, aus dem Grundwasser wie aus einem System kommunizierender Röhren durch Überdruck aufsteigt. Der Aufstiegskanal ist dabei typischerweise künstlich angelegt und somit ein Tiefbrunnen.
Eine besondere Brunnenform stellen die vor allem im Iran, in Afghanistan und im westlichen Teil Pakistans verbreiteten Qanate dar, bei denen es sich um horizontale Wassersammelstollen mit mehreren vertikalen Zugangsschächten handelt.
Zierbrunnen
Brunnen waren bis zur Einführung des Leitungswassers als öffentliche Orte der Wasserversorgung Treffpunkt für Menschen und insbesondere für Wäscherinnen, sie haben diese soziale Funktion in vielen Ländern nach wie vor. Viele historische Brunnenanlagen stehen heute unter Denkmalschutz und gelten zum Teil als Sehenswürdigkeit.
Dadurch sind Brunnenanlagen auch heute ein Anziehungspunkt im öffentlichen Raum.
Brunnen wurden als Symbole der Macht des Erbauers seit der Renaissance oft prunkvoll ausgestaltet, so wurde etwa der Fontana di Trevi in Rom als Stiftung von Papst Nikolaus V., anlässlich der Restaurierung des Aquädukts Aqua Virgo, erbaut.
Mit dem Aufkommen von Wasserleitungen, die das Nutzwasser direkt in die Haushalte brachte, verschwanden die Entnahme- und Waschbrunnen im öffentlichen Raum. Sie wurden in vielen Dörfern und Städten durch mehr oder weniger gelungene künstlerisch gestaltete Brunnenanlagen ersetzt. Sie können dann oft die Komplexität von Wasserspielen erreichen: Bestandteile solcher Wasserspiele sind auch Fontänen, Kaskaden und Becken.
Das Wasser kühlt durch die Verdunstung im Sommer und trägt somit zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Im islamischen Raum sind Innenbrunnen ein wichtiger Bestandteil von Palästen, da sie die Innenraumtemperatur absenken.
Zierbrunnenanlagen haben eine Umwälzpumpe. Es wird daher nur das verdunstete Wasser ersetzt. Sie sollten vor Beginn der ersten Fröste entleert werden.
Brauchtum
In Oberfranken, besonders in der Fränkischen Schweiz, gibt es den Brauch, Osterbrunnen zur Feier des Osterfestes zu schmücken. Im schwäbischen Raum gibt es in manchen Städten den Brauch des jährlichen, so genannten Geldbeutelwaschens im Brunnen. In manchen Städten werden zur Fasnacht Leute in einen Brunnen geworfen. Münzen, die in einen Brunnen geworfen werden, sollen zu Lebensglück oder einer Rückkehr an den Brunnen führen, so z. B. speziell beim Trevibrunnen in Rom.
An der Popperöder Quelle in Mühlhausen (Thüringen) wird alljährlich von Grundschulkindern ein Brunnenfest gefeiert. Dazu werden Blumensträuße im Brunnen versenkt, spezielle Brunnentänze getanzt und Brunnenlieder gesungen.
Siehe auch
* Brunnen als Motiv (Brunnen in Überlieferung und Literatur)
* Wasserspiele
* Brunnenstube
* Brunnenregenerierung
* Der römische Brunnen
* Brunnen (Heraldik)
Brunnen nach Bauweise
* Burgbrunnen
* Heronsbrunnen
* Springbrunnen
Brunnen nach Standort
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Literatur
* Gerhard Hirschmann: Der Hiserleinbrunnen. In: Nürnberger Altstadtberichte, Hrsg.: Altstadtfreunde Nürnberg e.V., Heft 1 (1976).
* Hermann Bischofberger: Art. Brunnen, Brunnengemeinschaft. In: Albrecht Cordes, Heiner Lück, Dieter Werkmüller, Ruth Schmidt-Wiegand (Hrsg.), Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Band I, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2008, Sp. 692-694. ISBN 978-3-503-07912-4
* Kurt Müller: Gerühmt, verbannt und wiederentdeckt. Die komplizierte Geschichte des Kunstbrunnens zur Erinnerung an die erste deutsche Eisenbahn [„Der Eisenbahnbrunnen“] In: Nürnberger Altstadtberichte, Hrsg.: Altstadtfreunde Nürnberg e.V., Heft 16 (1991).
* Landschaftsverband Rheinland, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege (Hrsg.): Brunnen der Jungsteinzeit. Internationales Symposium in Erkelenz, 27. bis 29. Oktober 1997. Materialien zur Denkmalpflege im Rheinland 11, 1998 (Bonn, Habelt).
Weblinks
* Volkskundliche Informationen zu Brunnen (Österreich)
* zeigt einige Brunnen im Fichtelgebirge
Einzelnachweise
Kategorie:Brunnen
Kategorie:Wassergewinnung
Kategorie:Wasserverteilung
Kategorie:Stadtbaugeschichte
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